Robert Walser-Archiv
Teilnachlass Friedrich Glauser (Max Müller)
Ähnlich wie Robert Walser war auch Friedrich Glauser ein extremer Aussenseiter des literarischen Lebens. Gleichfalls über lange Jahre Psychiatrie-Insasse, wirkt er wie ein Rimbaud suisse. Nach vielversprechenden Anfängen in Zürich und Ascona, wo er in den Zirkeln der Dadaisten und expressionistischen Literaten verkehrte, verfiel er der Rauschgiftsucht, die ihn ins Gefängnis und schliesslich in die Fremdenlegion brachte. Abenteuerliche Jahre als Tellerwäscher, Grubenarbeiter und Krankenpfleger in Paris und Belgien schlossen sich an, ehe Glauser in der Schweiz erneut zu schreiben begann. Trotz verschiedener Internierungen schuf er in den letzten 10 Jahren seines kurzen Lebens ein reichhaltiges erzählerisches Werk, in dessen Mittelpunkt sein Fremdenlegionsroman Gourrama und die Wachtmeister Studer-Krimis stehen. Nach Jahrzehnten der Vergessenheit erlebten Glausers Bücher ab den 80er Jahren eine plötzliche Renaissance. Eine Gesamtausgabe seiner Prosaschriften sowie seiner Briefe schuf die Voraussetzung, sein Werk angemessen zu würdigen. Übersetzungen ins Italienische, Französische, Russische, Polnische, Tschechische und verschiedene andere europäische Sprachen schlossen sich an. Neben Walser ist Glauser heute der einzige deutschsprachige Autor der Schweiz aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der weit über die Grenzen des Landes hinaus rezipiert wird. Zu Glausers wichtigsten Förderern gehörten sein langjähriger Therapeut, der Psychiater Max Müller, und der Journalist Josef Halperin. Beider Nachlässe enthalten die ebenso umfängliche wie spannende Korrespondenz mit Glauser sowie Materialien aus dessen Umfeld. Die Briefe von Friedrich Glauser an Josef Halperin befinden sich allerdings nicht im Robert Walser-Archiv, sondern in Privatbesitz.
Der Teilnachlass Friedrich Glauser befindet sich seit Mai 2009 nicht mehr im Robert Walser-Archiv, sondern neu im Schweizerischen Literaturarchiv SLA der Schweizerischen Nationalbibliothek in Bern.


