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19. April 2016

DIE WÄRME SOLLTE KÄLTER UND DIE KÄLTE WÄRMER SEIN. Eine Untersuchung über die Wahrheit auf dem Theater mit Texten von Robert Walser.

Uraufführung.

Premiere Solothurn: 29. April 2016, 19.30 Uhr, Stadttheater
Premiere Biel: 10. Mai 2016, 19.30 Uhr, Stadttheater
Weitere Informationen und Aufführungsdaten finden sich hier.

1894 besuchte Robert Walser mit seinem Bruder Karl eine Inszenierung von Schillers »Räuber« im Bieler Stadttheater. Die beiden waren leidenschaftliche Theatergänger und schwärmten besonders für den jugendlichen Rebellen Karl Moor. Hiervon zeugt ein kleines, von Karl Walser gemaltes Aquarellbild, das den jungen Robert in einem phantasierten Räuber-Kostüm zeigt. Jahre später, Robert Walser wohnte nun in Bern, tauchte das Bildchen wieder auf und inspirierte den Autor zu seinem »Räuber«-Roman, der erst 1972 – 16 Jahre nach Walsers Tod – erschien. Das verwegen verworrene Buch, aus dem »absolut nichts gelernt werden kann«, handelt von einem verträumten Tagedieb, einem veritablen »Nichtsnutz«, der an der Hand eines geradezu haarsträubend unzuverlässigen Erzählers durchs Leben irrt.

Ausgehend von diesem wunderbar einfallsreichen und fabulierlustigen Roman unternehmen nun Deborah Epstein und Florian Barth den Versuch, die Wahrheit auf dem Theater zu ergründen. Ein durchaus abenteuerliches Unterfangen und ein äusserst sinnliches Erlebnis für Aug‘ und Ohr. Doch: »Hievon nachher mehr«.

»Das Theater gleicht einem Traum. Man tritt hinein, tritt nach ein paar Stunden wie aus einem merkwürdigen Schlaf wieder heraus, an die Natur, in das wirkliche Leben« so Walser. »Im Traum haben die Bilder, die einem vor Auge entstehen – es mag das Auge der Seele sein –, etwas Scharfes, Festgezeichnetes. Raumhaft natürliche Perspektiven, einen realen Erdboden, frische Luft gibt es da nicht. Man atmet Schlafstubenluft, während man über Berge schreitet wie der Mann mit den Siebenmeilenstiefeln.« Genauso wie der Traum entführt uns das Theater in eine schwärmerische Welt der Illusionen, spielt lustvoll mit unserer Wahrnehmung und lässt uns – wohlwissend, dass Theater doch letztlich im Kopf stattfindet – verwundert zurück. Ja, das ist Theater: »das Traumhafte, das wahre Unwahre«!

Werkeinführung jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn.